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"Junge Donau"

Wandern im Bergland "Junge Donau"

Landschaftlich zählt die Region der Jungen Donau von Tuttlingen bis etwa Sigmaringen, bei den südwestlichen Ausläufern der Schwäbischen Alb und Teilen der Hegau- und Baaralb zu den interessantesten von Baden-Württemberg. Aber man muss weder die höchste Erhebung in Lemberg bei Gosheim von 1015 m hoch wandern noch den Dreifaltigkeitsberg von fast 1000 m. Insgesamt ist die Donau 2888 km lang, aber Experten bezeichnen das Teilstück der Jungen Donau wegen seiner Vielfalt der Pflanzenwelt und der geologischen Vielfalt als das malerisch und romantisch schönste. Daher beschlossen wir, von Tuttlingen an die Donau abwärts in Richtung und bis Sigmaringen zu gehen und die dort von der Natur gebotenen Schönheiten zu genießen. Dies war eine unserer Wanderungen mit den Etappenzielen abwärts rechts der Donau Friedingen, Hausen bis Sigmaringen und dann, wie in Wanderführern vorgeschlagen, linksseitig Donau aufwärts bis Beuron.

Am ersten genussvollen Wandertag von Tuttlingen nach Fridingen, über Mühlheim (mit einem Fastnachtsbrunnen) und Mariahilf brachten wir bereits im romantischen Donautal 23 km hinter uns. Zunächst wanderten wir durch Wald bis zum Hangweg, weiter bis zum Ehental und auf der Südrandlinie zum Rottweiler Tal. Den Donauschleifen entlang nach Mühlheim. Dort ist der historische Stadtkern sehenswert. Dann über Mariahilf, wo es auf dem Welschenberg eine Kapellenruine gibt, nach Fridingen und Übernachtung im Gasthaus Löwen.

Am nächsten Tag stiegen wir steil empor zur Burgsteig Schelmenhalde und wieder hinunter ins Donautal, dann entlang der sehr eindrucksvollen Flusslandschaft. Bewaldetes Donautal, wo aus den Wäldern steile Felsen herausragen und imposante Bilder abgeben. Weiter über Ziegelhütte, Scheuerle-Hof zum Jägerhaus mit Einkehrmöglichkeit. Es ging vorbei an Beuron, bald darauf hinauf auf steilem Pfad zum Steighof, Petersfelsen und zur Burg Wildenstein. Sie verdankt ihre heutige Gestalt mit Jugendherberge, eine Neugestaltung im 16. Jahrhundert, und ist gut ausgestattet mit Westturm, Ostturm, Wehrmauer, Burghof, Burgkapelle, etc. Diese Landschaft westlich von Sigmaringen hat die größte Burgendichte Deutschlands. Weiter talwärts zur Donau auf ebenem Pfad, unterhalb des Bandfelsens und der Ruine Lengenfeld, gegenüber von Schloss Werenwag in Richtung Hausen, dem Tagesziel. Etwas enttäuschend an diesem Dienstag war, dass fast alle Einkehrmöglichkeiten geschlossen waren, so dass nicht einmal der Durst an diesem heißen Tag gelöscht werden konnte. Das berühmte Beuron ließen wir für den Rückweg links der Donau liegen.

Dritter Tag: Wandern von Hausen nach Sigmaringen. Da Hausen linksseitig der Donau liegt, mussten wir rüber auf die rechte Seite und sahen die großartige Felskulisse der Schaufelsen. Sie sind ein Kletterparadies im Donautal. Weiter zur Neumühle, einem Gasthof und über die Lohe nach Gutenstein. Sigmaringen warf schon seine Schatten voraus. Aber wir mussten noch über Dietfurt, Katzenfelsen, Inzigkofen und Laiz bis wir schließlich nach Sigmaringen kamen. Hier werden wir morgen umkehren, obgleich die Donau hier in ein wildromantisches Tal, dem letzten Durchbruch durch die Schwäbische Alb, übergeht. Und hier ist die Donau zwar noch ein junger, aber schon ein kräftiger Gebirgsfluss.

Sigmaringen ist das Schloss und die Stadt der schwäbischen Hohenzollern. Ihr Schloss trotz oben von einem Felsband hoch über der Donau. Es geht auf das 10. Jahrhundert zurück. Die Besitzer der Schlossburg wechselten häufig im Laufe der Geschichte: Die Grafen Spitzenberg-Helfenstein, die Grafen Montfort, die Habsburger, die Württemberger und die Werdenberger lösten einander als Besitzer von Burg, Stadt und Grafschaft ab, bis sie 1534 endgültig in den Besitz der Zollern kam. Baufreudige und kunstsinnige Fürsten erweiterten und verschönerten Sigmaringen, denn dieses Städtchen war bis 1849 Hauptstadt eines unabhängigen Fürstentums. Als die Sigmaringer Hohenzollern ihre SSouveränität an den König von Preußen abgaben, wurde es Sitz des Preußischen Regierungsbezirks "Hohenzollernsche Lande". Zum Glück, die Preußen regierten diese Exklave mild bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Von September 1944 bis April 1945 war das Schloss Sitz der französischen Vichy-Regierung mit Marschall Petain und Ministerpräsident Laval. Heute ist das auf einem langgestreckten Weißjurafelsen erbaute Schloss noch immer bewohnt und Sitz der Fürsten von Hohenzollern.

Die Schätze des Schlosses sind erheblich: Die größte Waffenkammer unseres Kontinents, kostbare Gobelins, schwäbische Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts, Jagdtrophäen und eine frühgeschichtliche Sammlung mit wertvollen funden eines alemannischen Fürstengrabes.

Sigmaringen liegt in 570 bis 794 m Höhe und ist heute eine liebenswerte Residenzstadt, deren Häuser immer noch früher verliehene fürstliche Wappen schmücken. Man findet auch noch viele neuklassizistische Verwaltungsgebäude und Denkmäler. Es gibt viele gemütliche Gasthäuser und gute Hotels. Es gibt reine Luft und ein gesundes Reizklima ohne verschmutzende Industrie. Gäste sind gerne gesehen und werden gut betreut. Wir übernachteten im Hotel-Gasthof "Zur Donau".

Am vierten Tag wanderten wir von Sigmaringen bis Schwenningen, linksseits der Donau gegen ihre Flussrichtung. Dabei ging es nördlich der Ruinen Falkenstein und Schauenburg empor zu dem berühmten Schaufelsen mit unvergleichbar schönen Ausblicken in das wildromantische Donautal. Entlang von Mühlefels, Hülbfels und dem Naturfreundehaus Steighöfe erreichten wir auf bewaldetem Höhenweg die Schlossruine Hausen. Von dort gingen wir noch die wenigen Kilometer nördlich rauf nach Schwenningen.

Nun, am letzten Tag stand die Wanderung Schwenningen bis Beuron bevor. Am Wachtbühl bei Schloss Werenberg erreichten wir wieder die Wanderroute längs der Donau. Vom Schloss Werenwag aus, das nicht zu besichtigen war, gab es wieder unvergessliche Ausblicke in das wieder wild romantische Donautal. Von dort, unterhalb von Korbfelsen und Finstertal zum Eichfelsen hat man vielleicht überhaupt die schönsten Einblicke in die Felskulissen des oberen Donautales. Dem Waldrand entlang ging es weiter zum bewirtschafteten Wanderheim "Rauher Stein" und dann bergab durch den Hischsteig, hin zu dem reizend in die Landschaft eingebetteten Beuron auf einer Terrasse, wenig höher als der Talgrund.

Seit 1077 lebten in Beuron Augustiner-Chorherren, denen Graf Peregrin von Hoßkirch hier ein Kloster gründete. Es stand von Anfang an unter dem Schutz Mariä und des hl. Martinus von Tours und war eines der ältesten Chorherrenstifte Deutschlands. Der letzte Abt des Klosters, Dominikus Maier aus Rottweil, erlebte die schweren Heimsuchungen seines Klosters in den Jahren der französischen Kriege, die mit der Säkularisierung 1802 endeten. Der Abt von Beuron und seine 15 Chorherren wurden mit einem fürstlichen Dekret der Hohenzollern aus Sigmaringen vom Dezember 1802 pensioniert. Aber 60 Jahre nach der Aufhebung wurde das Kloster wieder von zwei Deutschen besiedelt: Sie waren in St. Paul-Rom Benediktiner geworden: Maurus und Placidus Wolter.

Die Kirche ist ein verputzter Backsteinbau, der Grundriss ein 58 m lang gestrecktes Rechteck. Die Seiten werden durch eine doppelte Fensterreihe gegliedert. An der Südseite steht der kleine Turm mit quadratischem Unterbau noch aus romanischer Zeit. Darauf wurde im 18. Jahrhundert ein achteckiges Obergeschoss mit Zwiebeldach gesetzt. Im Spüden schließen sich zwei Klosterflügel an. Die ganze Anlage ist ein nach Westen, zum Tal hin offenes Rechteck.

Hier aßen wir noch zu Mittag, wobei sich eine lustige Sache ereignete. Eine eigentlich geschlossene Gesellschaft besetzte die Klosterschänke. Wir kamen halb illegal noch dazu. Ein christlicher Vortrag wurde gehalten. Anschließend Diskussion, an der fast nur wir uns beteiligten, bis auffiel, dass unsere Meinung als Externe ja gar nicht gefragt war.

Wir fuhren dann mit einem Auto, das hier platziert war, nach Tuttlingen und verabschiedeten uns voneinander bei einem letzten Kaffee mit Schwarzwälder Kirschtorte und einem dazu erbetenen Kirschwässerchen, da die Torte den üblichen Kirschwassergeschmack vermissen ließ.

Informationen zu dieser Wanderung: Donaubergland Marketing und Tourismus GmbH, Tuttlingen






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