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Fränkische Schweiz
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Wandern in der Fränkischen Schweiz
Die Fränkische Schweiz schien uns erlebenswert durch ihre Wälder und Felsen, besonders aber durch ihre vielen Höhlen und Dome mit Tropfsteinen. Sie wachsen im Laufe der Jahrtausende von unten nach oben (Stalakmite) oder von oben nach unten (Stalaktite). Höhlen mit solchen Steinen sind Karsterscheinungen, d.h. sie sind säurelöslich aus Kalk und Dolomit, also Calcium und Magnesiumkarbonat. Dabei ist Kohlensäure aus pflanzlichen Resten durch Regenwasser gelöst, in das Kalkgestein eingesickert und hat dieses im Laufe vieler Jahrtausende ausgehöhlt, nach dem Motto "steter Tropfen höhlt den Stein", so dass nicht nur Höhlen, sondern auch große Dome als Leerräume entstanden sind. Bei den Tropfsteingebilden gilt dann "steter Tropfen bildet den Stein", nämlich die von der Decke hängenden Stalaktiten und die hoch stehenden Stalakmiten. Überall auf der Erde, wo dies beobachtet wird, müssen früher flache tropische Meere gewesen sein, da der Kalk nur im warmen Wasser ausfällt. Die Fränkische Schweiz ist ein solch typisches Karstgebiet, wo auch viele Schwamm- und Algenriffe Ausgangssedimente zur Höhlenbildung gewesen sind. Man schätzt, dass dies etwa 140 Millionen Jahre zurück liegt. Es muss seinerzeit, im geologischen Zeitalter des Jura, auch in Deutschland warm gewesen sein wie in den Tropen mit kleineren und größeren Riffen. Am Ende der geologischen Zeit Jura wurde das Riffgebiet rund um die Teufelshöhle angehoben und die Höhlenbildung setzte ein.
Trotz der Vielzahl der Höhlen von geschätzt 1000 weist jede der Höhlen ihre eigenen Besonderheiten auf. Manche haben besonders viele Tropfsteine, andere viele fossile Knochen. Die Reinheit der Tropfsteine und ihre Farbe von hell bis schwarz ist sehr unterschiedlich. Das liegt an den verschiedenen Verunreinigungen durch Eisen, Mangan, Ruß oder Lehm. Man sagt, viele der Höhlen seien noch unbekannt, andere seien noch nicht entdeckt. Die wichtigsten der bekannten Höhlen wollten wir sehen.
Sie sind die Binghöhle in Streitberg, die Sophienhöhle im Ahorntal und besonders die Teufelshöhle bei Pottenstein. Angeblich seien 200 Höhlen es wert, gesehen zu werden. So viel Zeit hat aber niemand und wir wollten ja auch wandern. Ansonsten hätten wir per PKW von einer Höhle zur anderen fahren müssen; aber auch dann hätte die Zeit nicht gereicht.
Das Kernland des Naturparks Fränkische Schweiz ist das Einzugsgebiet der Wiesent. Aber der Naturpark
"Fränkische Schweiz" erstreckt sich über den ganzen Raum "Nördliche Frankenalb". Auskünfte erhält man vom
"Verein Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst e.V." in 91278 Pottenstein.
Wie üblich reisten wir am Pfingsmontag per PKWs an und zwar in Forchheim und unsere Hauptwanderziele waren Ebermannstadt, Streitberg, Muggendorf, Waischenfeld, Gößweinstein, Pottenstein. Begonnen haben wir nach der recht langen Anfahrt mit der Ortsbesichtigung von Forchheim. Sehr schöne Fachwerkhäuser, ein Rathaus aus dem 14./15.Jahrhundert, die "Pfalz" früher ein bischöfliches Schloss aus dem 14. Jahrhundert, die frühgotische St. Martinskirche und das Nürnberger Tor als noch erhaltenes Festungstor. An vielen Brücken eine Nepomukstatue, der angeblich wegen Bewahrung des Beichtgeheimnisses ertränkt worden war.
Tags darauf fuhren wir nach Schlaifhausen und wanderten auf den Walberla, dann Weiterfahrt nach Ebermannstadt zur Übernachtung. Jetzt endlich sollte die Wanderung richtig beginnen. Wir wanderten über die Ruine Neideck nach Streitberg und dort zur Binghöhle. Sie sei, wie uns gesagt wurde, die größte und schönste Tropfstein-Galerie-Höhle Deutschlands. Beeindruckend die mächtigen Stalaktiten und Stalakmiten. Im Gegensatz zu anderen Jurahöhlen liegt sie nicht in Schwammkalk oder Dolomit, sondern in geschichtetem Kalk. Sie erstreckt sich über 400 m Länge und kann gefahrlos durchgangen werden. Die phantastischen Tropfsteine nahe dem Betrachter vermitteln den Eindruck einer Tropfsteingalerie. Beeindruckt von diesem Anblick wanderten wir weiter über die Ruine Streitberg, die Muschelquelle, die Schönsteinhöhle, über Neudorf zum Tagesziel Muggendorf.
Am dritten Tag bewunderten wir das Wiesenttal mit seinem tiefen Einschnitt und seinen aus dem Wald heraus ragenden Felsen. Die einzelnen Stationen waren Felsensteig, Oswaldhöhle, Hohes Kreuz, Quakenschloss als Höhlenruine, Adlerstein, Engelhardsberg, Riesenburg - eine Einsturzdoline mit 16 m Durchmesser und drei Felsentoren -, Burg Rabeneck, Pulvermühle und dann Waischenfeld. Wir haben bezaubernde Natur gesehen und viel fotografiert.
Vierter Tag: Waischenfeld, Burg Rabenstein, Sophienhöhle, Ludwigshöhle, Schneidersloch, Oberailsfeld, Weißer Marter, Behringersmühle am Zusammenfluss von Wiesent, Puttlach und Ailsbach dann Tagesziel Gößweinstein, wo wir zweimal übernachteten. Sehenswert ist in Gößweinstein die von Balthasar Neumann 1730 bis 1739 erbaute Basilika zur Heiligen Dreifaltigkeit. Er erbaute sie im Auftrag des Fürstbischofs Carl Friedrich von Schönborn. Diese Basilika mit reicher Barockausstattung, Malerei und Stukkaturen zählt zu den schönsten Kirchen Frankens.
Am fünften Tag waren wir in Pottenstein, dem staatlich anerkannten Luftkurort, zu einer Rundwanderung von dort aus und zur Besichtigung der Teufelshöhle. Sie ist eine der sehenswertesten Höhlen Deutschlands, eine gewaltige Felsgrotte von 1,5 km begehbarer Länge. Aus der Mitte der des Höhleneingangs springt eine 8 m hohe Höhlenterrasse hervor. Das Innere der Höhle kann man mit Führung 45 min lang erleben. Man sieht Tropfsteingebilde von wirklich einzigartiger Schönheit. Über diesem Innenraum liegt eine Felsendecke von 52 m Mächtigkeit. Die Höhle wurde 1922 erschlossen, im Inneren führen Treppen und breit eingeebnete Pfade durch die Höhle. Man kann das Skelett eines Höhlenbären bewundern. Und die Höhle sei eine
Therapiestation für Atemwegs- und Hauterkrankungen. Besondere Tropfsteingruppen sind: Die "Papstkrone", die "Orgel" und ein "Vorhanggebilde". Jede dieser Gruppen sei 10 000 bis 15 000 Jahre alt. Dann kommt man in den Teil "Bärenhöhle" mit Knochenresten von etwa 80 Bären, Durch die "Nibelungengrotte" geht es weiter in den schönsten Teil der Höhle, den größten von vielen Innenräumen, den Barbarossadom; er misst 45 x 18 x 15 m. Eine Dorfkirche hätte darin Platz. Dort sieht man den "Barbarossabart", dessen Alter auf 500 000 Jahre geschätzt wird, und die mystisch beleuchtete "Kreuzigungsgruppe". Drei große Tropfsteine stellen dabei drei große Kreuzstämme dar, die kleinen Tropfsteine davor wirken wie die Zuschauer. Über die "Drei-Kaiser-Grotte" kommt man kommt man in den "Riesensaal" mit Abmessungen von 13 m Höhe mit 45 m Fels darüber. Über eine Million Jahre alt soll "Goliath", einer der größten Tropfsteine der Teufelshöhle sein. Etwa 3,5 m hoch sei der "Baum", die Decke mit kleinen Röhren und Kalkausscheidungen bildet seine "Krone" und beleuchtete Fächer wirken wie die "Wurzeln" eines Baumes. Nach dem "Riesensaal" kommt man durch einen engen Gang in den "Kerzensaal". Von dort geht es vorbei an den "Tabakblättern" und dann zum Höhlenausgang.
Einige Äußerungen namhafter Leute zur Höhle: "Für geschliffenes Glas möchte man's halten, so strahlen die Steine von allen Seiten wider", oder "die Natur scheint ein ganzes Füllhorn von Schönheit ausgegossen zu haben, die Wände sind blendend weiß, wie vom feinsten Alabaster überzogen", oder "….. wie die Werkstätten eines wahnsinnigen Bildhauers" und "glücklich wer bewundern kann, wo die Natur wirklich den Effekt des Wunderns scheint erregen zu wollen." Und die Äußerung eines Pfarrers: "Wie lange schlaft ihr, durch die Verwesung eingewiegte Kinder der Erde. Sind es Menschen, Landtiere, Fische, Amphibien, keines von allen oder alles durcheinander zugleich?" Da erübrigen sich weitere eigene Kommentare!
Dann war schon Samstag und Zeit für die Heimfahrt. Aber wir nahmen die Gelegenheit, fuhren nach den kunstvollen Schönheiten der Natur über Bamberg und beschauten dort die menschliche Baukunst, den Bamberger Kaiserdom: Großartiges Bauwerk der späten Romanik und frühen Gotik, errichtet auf Fundamenten der Kapelle und des früheren Friedhofes der Burg, Gräber von Heinrich II. und Kunigunde, Bischofskirche. Namen von Architekten, Bauleuten und Künstlern des Gebäudes und der Plastiken, der Portale sowie des berühmten "Bamberger Bürgers" und des "Bamberger Reiters", der uns recht klein erschien, blieben weitgehend unbekannt. Bekannt sind: Tilmann Riemenschneider, Schöpfer des Kaisergrabes, Veit Stoß, Bildhauer des Weihnachtsaltars, der Maler Lucas-Cranach und einige andere fränkische Künstler.
Nach dem 30-jährigen Krieg hatte Fürstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg den Dom vollständig barockisieren lassen. Aber um 1830 wurde auf Anordnung König Ludwig I. die barocke Innenausstattung zu Gunsten einer neuromanischen Ausstattung wieder entfernt. Der Dom sollte wieder in seiner ursprünglichen Gestalt erscheinen!