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Durch Norwegen bis zum Nordkap I
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Die Krönungsstadt Trondheim lockt
Allein die ersten Zahlen haben uns fasziniert. Norwegen hat eine Küstenlänge von 2650 km, ohne Berücksichtigung der Fjorde, Luftlinie sind es immer noch etwa 1750 km. Die mittlere Einwohnerdichte ist gerade mal 13 Personen pro Quadratkilometer. Doch dieser Wert täuscht insofern, als ein Drittel aller Norweger in Oslo und Umgebung wohnen, dadurch ist die Bevölkerungsdichte auf dem Lande noch viel geringer. Insgesamt seien mehr als 80 % der Bevölkerung nahe der Küste angesiedelt. Dadurch kommen im Binnenland gerade noch 2 bis 3 Menschen auf einen Quadratkilometer!
Oben, bei Narvik, ist die Breite Norwegens nur 6,3 km. Sie wird aber dann am oberen Zipfel, in Lappland, westlich von Finnland wieder größer. Norwegen ist ein Gebirgsland mit vielen Hochflächen und vielen zweitausender Bergen und Gletschern. Aber das Land bietet viel mehr Varianten: Es gibt die regenreichsten Regionen Europas hat aber auch Wüsten, Wälder, Seen, Flüsse, viele Fjorde und spärliches Ackerland. Nur zwei bis drei Prozent des Landes können landwirtschaftlich genutzt werden, das sind vorwiegend Täler. Es gibt unglaublich viele ins Meer hineinragende Halbinseln und vorgelagerte Inseln. Norwegen ist die viertgrößte Fischernation der Welt. Ihr Reichtum hat auch zu tun mit dem Tourismus und mit dem Erdöl aus der Nordsee. Dadurch hatte Norwegen keinerlei Gründe, zur Europäischen Union gehören zu wollen. Es blieb draußen. Schließlich geht der nördliche Polarkreis durch Norwegen und es gibt das Nordkap als nahezu nördlichste Festlandausdehnung Europas.
Das sind einige der wichtigsten Fakten, die es ungeheuer interessant erscheinen lassen, Norwegen zu besuchen und einen genaueren Eindruck von Land, Wasser, Fjorden und Menschen zu bekommen. So entschlossen wir uns 1997, per Bus von Süddeutschland aus nach Norwegen, bis hinauf zum Nordkap zu fahren. Hier die Einzelheiten:
In Kiel stiegen wir in eine große Fähre der STENA LINE ein, in die auch der Bus und viele andere Fahrzeuge verfrachtet wurden. Die Fahrt ging über Nacht durch den Großen Belt und durch das Kattegat rüber nach Göteborg, Schweden, wo wir am frühen Morgen des Folgetages ankamen. Wir waren an Deck um die vorgelagerten Schären(inseln) zu sehen, durch die unsere Fähre hindurchgeführt werden musste. Dann schon um 8 Uhr wieder in den Bus und im Eilverfahren eine Stadtrundfahrt durch Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens mit 450 000 Einwohnern. Und gleich weiter auf der E6 über Udeyalla, Halden - jetzt in Norwegen - nach Oslo, der Hauptstadt Norwegens mit etwa 460 000 Einwohnern. Dort wieder Stadtrundfahrt und eingehende Besichtigung des Seefahrt Museums sowie des nahen Wikingerschiff-Museums mit drei frühen Wikingerschiffen, die Vorbilder waren für Polarschiffe der Neuzeit. Weiter auf der Autobahn bis Hamar, dem Tagesziel für die zweite Übernachtung.
Wir waren weit gefahren und kamen daher spät an. Acht Busse standen schon vor dem Hotel. Beim Einchecken stellte sich heraus, wir waren die letzten und es gab acht Betten zu wenig. Daher verfrachtete man acht Freiwillige in ein anderes Hotel, wo sie zum Ausgleich ihrer Umquartierung das Essen und Trinken auf Kosten des ersten Hotels frei wählen konnten. Hamar wurde von den Schweden 1569 niedergebrannt und existierte nicht mehr bis 1849. Dann entstand es neu und wuchs rasch; letzter Zuwachs 1994 durch die Winterolympiade auf jetzt etwa 30 000 Einwohner.
Die Krönungsstadt Trondheim lockt
Es ging weiter auf der wichtigsten Route nach Norden. In Lillehammer, 22800 Einwohner, sahen wir die Skisprungschanzen der dortigen Winterolympiade 1994 und überblickten von oben Land und Küste. Es ging weiter durch das liebliche Tal Gudbrandsdalen, wo seit Jahrhunderten Pilger gen Norden zogen, auch Könige, die im noch weit entfernten Trondheim gekrönt werden wollten. In Favang sehen wir eine der berühmten Stabkirchen aus Holz. Wir kommen durch Otta, zwischen Wald und Fluss gelegen, weiter nach Dombas, einem kleineren Ort aber mit viel Verkehr, Tankstellen, Cafeterias, einem Startpunkt für leichtere Gebirgswanderungen, für die wir jedoch keine Zeit hatten. Auf den letzten Kilometern vor Trondheim folgt die Straße dem berühmten Lachsfluss Gaula, wo man Lachse angeln kann und wo wir sie an Wasserfällen eindrucksvoll hoch springen sahen. Wir kommen zum Tagesziel Trondheim, mit 140 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Norwegens. Wir besichtigen den wunderschönen Krönungsdom, das schönste gotische Bauwerk Nordeuropas, ab 11. Jahrhundert in spätromanischem und dann gotischem Stil erbaut. Dann sehen wir den Nidelv Fluss, an dessen Ufer die früheren Speicher heute meist als Pfahlbauten gesichert sind. Am Kanalhafen wird täglich frischer Fisch angeboten, das Zentrum der Stadt enthält nach mehreren Bränden seit einem kompletten Neuaufbau 1869 breite Straßen. Wir übernachten im modernen und großzügig mit viel Glas angelegten Radisson - Royal Garden Hotel.
Bei der Weiterfahrt am nächsten Tag, schon um 7.oo Uhr, sehen wir die Größe des Trondheimfjords. Überhaupt ist man erstaunt, wie viele Fjiorde und vorgelagerte Inseln diese Küste Norwegens aufweist. Man sieht dies auch auf einer etwas detaillierten Landkarte im Maßstab 1:1,75 Mio., also der Auflösung von 1cm entsprechend 17,5 km Natur. Wir fahren durch Birken- und Tannenwälder, aber etwa 30 km nordöstlich von Steinkjer fahren wir wenig seitwärts und sehen das berühmte, in Stein geritzte Re(i)ntier, angeblich vor 6000 Jahren entstanden, 180 cm breit und 136 cm hoch. Es muss demnach hier schon damals ein ausgeprägtes Jagdrevier gegeben haben. Es folgt eine lange Fahrt über Grong, einem Zentrum der Lachsangler, vorbei an Seen und Bergen, über Mosjøen, wo wir eine gut erhaltene achteckige, auch rot gestrichene Holzkirche bewundern, bis wir schließlich in Mo i Rana, 12000 Einwohner, dem Tagesziel, ankommen. Hier gab es vor 50 Jahren das Stahlwerk mit den größten Schmelzöfen der Welt. Alles drehte sich damals um Eisen. Heute wird Schrott verarbeitet und die Stahlwerke sind bedeutungslos. Wir übernachten im Rica Hotel Mo i Rana. Wie man uns sagt, beginnt nun der schönste, vielleicht der am wenigsten bekannte Teil unserer Reise.
Je weiter wir nach Norden kommen, desto einsamer wird das Land, desto kleiner die Bäume, desto lichter die Wälder, desto welliger die Straße, immer mal wieder ein rot gestrichenes Holzhaus, das wir eher Hütte nennen. Vielleicht sind diese Einzelhäuser auch Wochenend- oder Ferienhäuser. Bei Dombås treffen wir auf ein in Holz gebautes zweistöckiges Spezialitätenrestaurant, wir essen zu Mittag. Daneben etliche wirklich kleine Holzhütten von teils etwa 12 qm, teils etwa 20 qm, die man im Urlaub mieten kann, sei es zum Wandern im Sommer oder für den Skilanglauf im Winter. Aber auch die Orte werden kleiner, die Straßen einsamer, man merkt, man ist dem Polarkreis nahe. Wir fahren auf der einzigen großen Straße weiter nordwärts. Zwischendurch eine Pause an einem schäumenden Bergfluss, über dessen Hängebrücke wir spaßeshalber schaukelnd gehen und Fotos machen. Aber bereits 80 km nach Mo i Rana kommen wir an den Polarkreis. Es beginnt das Land der Mitternachtssonne im Sommer und der dauernden Finsternis im Winter. Wir haben arktische Natur erreicht. Wir sind am Beginn des Saltfjell Gebirges mit hunderten von Grotten im Kalkstein. Nur wenige davon sind erschlossen.