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Mit dem Bus durch Norwegen bis zum Nordkap III

Die norwegische Finnmark

Wir fahren nordwestlich durch die Finnmarksvidda, die seit Jahrtausenden die Winterweide der Rentiere ist und verlassen Finnland. Wieder in Norwegen kommen wir in das Lappenzentrum Kautokeino. Es gibt viele kleine Flüsse, Seen und Moore, in den Hochebenen Flechten Heidekraut und einen spärlichen Birkenwald. Von tausenden Binnenseen in den Hochebenen strömen Bäche in die Täler. Wahrscheinlich ist die Finnmark die älteste besiedelte Gegend Norwegens. Die dort lebenden Lappen nennen sich "Bergsamen" und sind teils immer noch Nomaden. Sie schonen die Natur, um sie zu nutzen, nicht um sie zu verbrauchen! Die Stadt Kautokeino steht ganz im Zeichen der Rentierzucht und -Schlachtung, ist aber ansonsten nicht sehr interessant. Im Umland weiden im Sommer bis zu 100 000 Tiere. Wir besuchen laut Planung eine Silberschmiede. Die Samen sind stolz auf ihr einzigartiges Theater und ihre Samenhochschule. Es können hochwertige Mitbringsel wie Webarbeiten, Schnitzereien aus Rentiergeweihen oder Rentierfelle erworben werden. Man fotografiert auch Samen, die sich in ihrer Tracht dazu anbieten. Die Weiterfahrt in der Finnmark, also im norwegischen Lappland, bringt uns gegen Abend nach Karasjok, 1400 Einwohner, dem Tagesziel.

Die Mücken sind hier oben keine Plage mehr. Menschen und Landschaft rücken näher zusammen. Die weiß getünchte Kirche leuchtet schon von weitem her, samisches Museum und das Restaurant "Samegammen" oder "Storgammen" sind auch bei schlechtem Wetter lohnend anzusehen. Wir nahmen darin unser Abendessen ein. Das Restaurant ist in der Form eines großartigen Zeltes aus Holz gebaut. Da die obere Öffnung nur relativ klein sein kann, wurden wir innen ganz schön eingeräuchert. Hier, in Karasjok, tagt das Samenparlament. Die Samenbibliothek umfasst 7000 Bände. Die Samen tragen kaum noch ihre traditionelle Kleidung.

Nächster Tag: Wir fahren weiter von Karasjok nach Lakselv am Porsangen-Fjord, der nach Norden hin offen ist. Der Ort ist sehr zersiedelt, hat aber für Urlauber viele Möglichkeiten zum Lachsangeln und Kajakfahren. Wir fahren der Westseite des Porsangen-Fjords entlang und glauben, nun bald ganz oben zu sein. Die Straße hat rechter Hand den Fjord, linker Hand meist steile Schieferfelsen. Es geht weiter bis Kafjord. Das ist der oberste Zipfel des Festlandes. Wir müssen mit einer Fähre hinüber auf die Nordkap-Insel Magerøya und finden unser Übernachtungshotel in Honnigsvåg. (Seit 1999 sollte es eine Festlandverbindung unter dem Meeresboden von Kafjord zur Nordkapinsel Mageroya geben.)

Von der Fähre aus sahen wir gespannt auf das Städtchen Honnigsvåg, da wir nun unserem nördlichsten Ziel sehr nahe kamen. Schließlich waren wir dort, stiegen wieder in den Bus, fuhren zum Hotel, checkten ein und bekamen schon bald das Abendessen. Danach, so wurde uns gesagt, würden wir zum Nordkapp fahren. Man darf nicht vergessen, dass wir im Land der Mitternachtssonne waren. Wir sollten uns warm anziehen, denn oben, am nördlichen Ende von Magerøya, am Nordkapp also sei es in der Regel recht kühl, wenn nicht sogar kalt. Voller Spannung fuhren wir die etwa 25 bis 30 km nach Norden. Zunächst in den Tälern der Insel Nebel, viel Nebel, der uns zweifeln ließ, ob es am Nordkapp überhaupt etwas zu sehen gäbe. Doch dann plötzlich, 10 Minuten später war aller Nebel verschwunden, im kargen Grund grasten Rentiere und das Nordkapp lag klar vor unseren Augen.

Vor uns das weite Meer, leicht kräuselnd, die flach im Hintergrund leuchtende Sonne reflektierend. Wir ließen diesen Eindruck auf uns wirken. Die Stimmung war seltsam ungewohnt. Die Sonne als ob sie untergehen wollte und doch nicht kann, und leichte Dämmerung. Dann hinein in die Nordkapphalle. Zu unserer Überraschung war es weder außen noch innen kühl, im Gegenteil, wir alle begannen zu schwitzen. Ein besonderer Film sollte in einem großen Saal gezeigt werden, aber irgendetwas klappte es nicht. Dafür wurden wir mit Kaviar, kleinen Brötchen und Champagner getröstet. Jeder von uns erhielt ein "Sertifikat Nordkapp" mit seinem Namen eingetragen und der Bestätigung, dass er "auf seiner Reise durch das Land der Mitternachtssonne heute das Nordkapp, Europas nördlichsten Punkt besucht hat". Wir kauften einige Karten, machten innen und draußen unsere Fotos und fuhren, als dann doch noch Nebel aufkam, gegen ein Uhr dreißig früh, bei noch immer leichter Dämmerung und doch noch immer flach am Horizont sichtbarer Mitternachtssonne zurück in unser Quartier. Dieser Tag war sehr erlebnisreich! Wir waren bei 71 Grad nördlicher Breite.

Die Rückfahrt ging zunächst wieder entlang des Porsangen-Fjords, etwa 70 km, dann aber nach Westen entlang des lachsreichen Reppafjords, weiter zum Kvalsund, überall mit tiefblauem Wasser, schließlich Hammerfest. Diese Stadt als nördlichste der Welt zu besuchen sei ein Muss! Wir wandern herum, sehen den interessanten Bau der neu erstellten Kirche, deren dreieckförmiges Dach fast zum Boden herunter reicht und genießen, wie bislang fast an jedem Tag, einen ungetrübten Sonnenschein. Die meisten Häuser hier sind aus Stein, weiß gestrichen und zweistöckig. Wir fahren nachmittags weiter zur Küstenstadt Alta, wo wir nochmals übernachteten. Einige von uns kaufen Lachs ein, andere sonstige Souveniers besonders solche, die von Lappen hergestellt wurden.. Wir unterhalten uns mit Eingeborenen und erfahren, dass einige von ihnen die lange Winternacht nicht ertragen können und in dieser dunklen Zeit nach Süden gehen. - Wir warten auf den Flieger, der uns nach Frankfurt zurück bringen wird.