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Mit dem Bus durch Norwegen bis zum Nordkap II
Der Polarkreis
Die Polarkreise markieren das Ende der gemäßigten Zonen von den Polarzonen und liegen bei 66o, 33` nördlicher und südlicher Breite. Am Polarkreis gibt es ein Infozentrum mit Post als einzigem Gebäude weit und breit. Sein Dach aber auch der ganze Bau erinnert an die Form einer Schildkröte. Wir erhalten als Besucher Urkunden mit unseren Namen; der Busfahrer, der auch in den Pausen immer wieder Getränke und Würstchen verteilt, hat hier zur Überraschung Schnäpse für uns bereit. Weiter geht's.
Lang sich hinziehende Straßen. Zwischendurch eine Stelle, an der Lappen (Samen) ca. 10 Dreieckszelte aufgebaut haben und ihre Handwerkskunst zu verkaufen suchen. Wir halten natürlich an und bewundern die uns fremd anmutende Kunst. Der eine oder andere von uns kauft auch etwas. Des Saltadalsfjords entlang kommen wir nach Fauske und weiter nach Skutvik. Dort steigen wir um in eine Hochseefähre und setzen über den Vestfjorden in zwei Stunden über nach Svolvær, 4000 Einwohner, auf der Insel Austvågøy, dem Hauptort der Lofoten. Diese Inselgruppe besteht aus etwa 80 Inseln einer 150 km langen Inselkette.
Durch unsere Pausen, einmal wurden Lachsstücke und Gurken verteilt, und Besichtigungen der Natur sind wir wieder sehr spät. Mehrere Busse stehen bereits vor dem Hotel. Man sagt der Reiseleiterin, dass das Hotel trotz rechtzeitiger Buchung überfüllt sei. Man schickt uns auf Austvågøy einige Kilometer weiter in ein anderes Hotel. Dort dürfen wir heute alle zum bezahlten Festpreis als Ausgleich beliebig Essen und Getränke auf Kosten anderer bestellen. Inzwischen frage ich mich, ob unser Busfahrer, der sehr gut fährt, oder die Reiseleiterin absichtlich spät ankommen wollen, um die Vorteile der Freizügigkeit eines anderen Hotels genießen zu können. Dies ist unsere fünfte Nacht. Ich sollte doch auch erwähnen, wie sehr unsere Malzeiten immer wieder, auch morgens schon, mit Fisch angereichert waren. Wir hörten, dass es zu Weihnachten unerlässlich sei, auf mehrere Arten zubereitete Heringe innerhalb der Familien zu servieren. Alkohol dagegen war in den Hotels sehr teuer.
Nächster Tag: Wir besuchen Henningsvær auf der Lofoteninsel Austvagoy. Viele rot gestrichene kleine Holzhäuser, aber auch einige aus Stein erbaute zweistöckige Häuser. Diese weiß gestrichen. Wir besichtigen auf der Insel auch den nachgebauten Wikingerhof Borg. Man hatte dort Reste eines Häuptlingshofes gefunden. Er hat die Maße 83,5 x 8,5 m, war also sehr lang und offenbar eine Unterkunft für eine ganze Sippe. Man vermutet, es hätte dem Lofoten-Häuptling Tore Hjort gehört. Überrascht stellten wir fest, dass Norwegen stolz ist auf die Wikinger, während man sie andernorts doch eher als Seeräuber bezeichnet, vor denen man sich hüten musste. Die Lofoteninseln sind gebirgig, wild und baumlos, mal grün und malerisch, mal kahle Felsen. Es fallen 1000 m hohe Felswände steil in den Trollfjord. Die Berge haben alpine Formen und merkwürdig steile Gipfel. Das Panorama ist grandios auf dieser angeblich schönsten Inselgruppe im Nordmeer. Schären umgeben die Hauptinseln. Unten rote Fischerhütten auf Stelzen und ab und zu große, schräg oder horizontal aufgestellte Gestelle, an denen tausende kleinerer Fische zum Trocknen aufgehängt sind. Wir fahren auch vorbei an der Lofotenkathedrale Vågan Kirke, in der früher die Fischer um guten Fang gebetet haben.
Gegen Mittag verlassen wir Austvågøy mit einer Fähre und setzen eine Stunde lang über nach Melbu auf Sortland. Es gehört zu der beachtlichen Inselgruppe der Vesterålen. Eigenartig, dass hier das Landschaftsbild weicher und freundlicher ist als auf den Lofoten. Die Berge sind meist ganz mit Gras und dünnem Wald bewachsen. Wir fahren über die große geschwungene Sortlandbrücke und quer durch die Inselgruppe nach Narvik, 19 000 Einwohner, zur sechsten Übernachtung. Aber so weit ist es noch nicht. Denn wir fahren nach dem Abendessen mit der dortigen Gondelbahn hinauf auf den anliegenden Berg und blieben bei Helligkeit bis Mitternacht. Wir wollten bei dieser Helligkeit gar nicht glauben, dass es schon so spät war. -
Narvik ist Ende der Lappland- (Ofot-)bahn, auf der Eisenerz aus Schwedisch-Lappland herüber transportiert wird. Es gibt hier die modernste Erzverladeanlage auf einer ins Meer hinausragenden Landzunge. Wegen dieses Erzhafens wurde Narvik im 2. Weltkrieg von den Deutschen völlig zerstört. Ein Kriegsgedenkmuseum informiert darüber.
Wir fahren auf der noch einzigen Verkehrsstraße nordwärts durch das von schönen Bergen eingerahmte Barduatal, machen einen Abstecher zum Wasserfall Malsevfossen mit seiner 450 m langen Lachsleiter und kommen in den kleinen Ort Oteren, wo der 1360 m hohe Otertind, auch als "Matterhorn der Arktis" bekannt, hoch über das wilde Signa Tal ragt. (Tromsø ließen wir links liegen, es wird bei der Rückfahrt besichtigt.) Nach Oteren geht die Fahrt dem Lyngenfjord entlang bis kurz vor Skibotn, wo wir nach Osten hin, Richtung Finnland abbiegen. Nach etwa 45 km überqueren wir die norwegisch-finnische Grenze und sind in Finnland. Die Fahrt ist hier wieder ziemlich eintönig. Links lichte niedere Wälder, direkt neben der Straße Leitungsmasten für Telefon, die teils schräg hängen, einige sind auch umgefallen, rechts von uns sumpfiges Land. Die Straße geht mit dem Land in großen Wellen auf und ab. Wir alle haben inzwischen für Moskitoschutz gesorgt, denn in diesen Gegenden wird man von den kleinen Tieren intensiv bedrängt. Über Kaaresuvanto erreichen wir noch in Finnland das Tagesziel Enontekiö: Einsamkeit, endlose mickrige Birkensträucher, keine Bäume aber Schnaken, Wasser, Sümpfe.
Das angestrebte Tagesziel muss jeweils erreicht werden, erstens da es vorbestellt ist, zweitens aber auch, weil es hier oben nur noch vereinzelt größere Hotels oder Unterkünfte überhaupt gibt.