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Schwarzwald Höhenweg II

Unser zweites Wandern auf dem Westweg

Die Westwegwanderung von Hausach zum Feldberg im Jahr zuvor hatte uns so viel Spaß gemacht, dass wir unbedingt einen zweiten Teil im Jahr darauf ergänzen wollten. Es sollte in Hinterzarten beginnen und bis etwa Lörrach gehen. Begonnen haben wir wieder am Pfingstmontag und das Ende war für Samstag darauf geplant. Der Anfang war unerwartet ungewöhnlich. Wir wollten unsere drei Autos in Hinterzarten stehen lassen und als erste Wanderung am Anfahrtstag zum Feldberg laufen.

Aber just zu den Zeitpunkt, als wir uns in Hinterzarten treffen wollten, ging bei 30 Grad Celsius ein kräftiges Gewitter nieder. Nun wissen wir alle, dass man vor Blitzeinschlag innerhalb eines PKW am besten geschützt ist. Damit aber nicht genug. Wie ein Wolkenbruch hagelten eiergroße Eiskörner vom Himmel, derart laut und kraftvoll, dass uns wenigen am Bahnhof in unseren Autos Wartende nichts anderes übrig blieb, als sicherheitshalber mit den zwei Autos auf die von außen nicht abgetrennten, überdachten Bahnsteige zu fahren, bis der donnernde Hagel vorbei war. Es hielt uns auch niemand von dieser unzulässigen Benutzung der Bahnsteige ab. Hinterher haben wir alle uns köstlich darüber amüsiert! Der Regen war nicht zu Ende, sondern plätscherte so heftig weiter, dass wir die erste Wanderung zum Feldberg durch eine Fahrt in unseren Autos ersetzten und so am Pfingstmontag ohne körperliche Betätigung zu Abendbrot und Übernachtung im bekannten Berghotel am Feldberg kamen.

Der Dienstag sollte der zweite Wandertag werden. Er war jetzt der erste. Alles erforderliche Gepäck wurde von jedem Einzelnen wieder selbst auf dem Rücken getragen. Es regnete weiter, aber wir starteten. Zum Feldberg müssen einige Bemerkungen gemacht werden. Er ist nämlich nicht nur ein Berg, sondern ein ganzes Bergmassiv, bestehend aus Feldberg, 1493 m, Baldenweger Buck, 1461 m und Seebuck, 1448 m. Diese Wanderung vom Feldberg bis zum Belchen wird oft auch als "Haute Route" bezeichnet, weil sie durchweg über 1000 m Höhe, meist sogar über 1200 m verläuft. Zunächst steigt man hinauf zum Seebuck, kommt oben bei einer Steinpyramide, der Bismarcksäule ohne Bismarck, an, weil vor Jahren der Blitz den Bismarck zerstörte. Wir gehen oben einige Schritte nach rechts und können auf den runden Feldsee hinunter sehen. Sein Abfluss fließt in den Titisee beim Ort Titisee und wir haben einen herrlichen Panoramablick, bei gutem Wetter von Schwäbischer Alb bis Schweizer Jura. Dann gibt es da oben einen Fernsehturm des Südwestfunks, Parabolspiegel zur Nachrichtenübertragung aber insbesondere auch Reste einer subalpinen Flora aber kaum weiteren Bewuchs. Man sollte daher die Wanderwege nicht unnötig verlassen, um der Umwelt möglichst wenig Schaden zuzufügen. Der Feldberg ist übrigens die Wiege des deutschen Skisports!

Wir wandern weiter über den Grüble Sattel zur Westflanke des Feldberges und weiter, vorbei an der Todtnauer Hütte, die vor Jahren zum Verkauf anstand. Russen hatten Interesse daran, sie blieb dann aber doch in deutscher Hand. Weiter zur Laurentius Kapelle und über Heidelandschaft westlich zum Stübenwasen. Von dessen Gipfelkreuz geht es abwärts zu einem Berggasthof. Es folgen viele Kilometer durch Wald. Wir kommen zum Waldhotel Notschrei an der Straße Todtnau-Freiburg. Die Entstehung dieses Namens wird dort an einem großen Gedenkstein erklärt. Wir überqueren die Passstraße und kommen in ein wunderbares kleines Tal, das Langenbachtälchen. Leider fängt der Regen wieder an und wir wurden bitschelnass. Aber nach einer größeren Strecke über Weideflächen, die zum Münstertal gehören, kommen wir schließlich zum Berghotel "Wiedener Eck", 1050 m ü.M. Zum Glück gibt es dort ein Schwimmbad, warmes Essen und die Möglichkeit, die nassen Klamotten zu trocknen. Bei zusätzlich gutem Wein und guten Gesprächen endet auch dieser Tag sehr zu unser aller Zufriedenheit

Leider begann auch der dritte Tag mit Regen und Nebel, aber im Laufe des Tages besserte sich das Wetter. Wir erreichen nach einer größeren Waldwanderung gegen Mittag den Belchen, einem der beliebtesten Ausflugsziele des Südschwarzwaldes mit einer Höhe von 1414 m. Der Belchen liegt zum Teil auf der Gemarkung Münstertal und ist wegen seiner seltenen Flora und Fauna seit 1993 zum Naturschutzgebiet erklärt. Der Aufstieg zum Belchen ist recht steil und erfordert einiges an Kraft, ist aber für gewohnte Wanderer bei etwas reduzierter Schrittfolge gut zu schaffen. Der Ausblick vom Gipfel, zu dem man noch eine halbe Stunde wandern muss, ist grandios, man darf ihn keinesfalls azuslassen. Von Südwesten bis Nordwesten überblickt man die Rheinebene mit den Vogesen im Hintergrund und den im Mittelgrund liegenden Kaiserstuhl. Nördlich erkennt man den Schauinsland und genau im Westen verläuft nur 1000 m entfernt das Münstertal. Wenn man gute Sicht hat, kann man in der Abendsonne auch die Alpenkette von der Zugspitze bis zum Mont Blanc erkennen. Wir wandern weiter bis zum selbst gesteckten Tagesziel, dem 1170 m hoch gelegenen Hotel Hochblauen, zu dem wir vor Ende dieser Tageswanderung noch einmal mit Kraftaufwand hoch laufen müssen.

Der vierte Tag. Jetzt, auf dem Hochblauen, sind wir auf der höchsten Stelle des Südschwarzwaldes, d.h. unserer südwärts gerichteten Wanderung. Von nun an geht es nur noch bergab. Das Wetter ist wieder schön. Wir wandern und wandern und mit dem Abwärtssteigen wird es allmählich schwül, das heißt es stellt sich langsam eine drückende Hitze ein. Wir übernachten schließlich in einem kleinen Ort Wollbach und dort in einem Gasthaus mit Wirtsstube, etwas verraucht und den gewohnten Annehmlichkeiten nicht adäquat, aber auch diese Unannehmlichkeit sollte man nach den empfundenen Schönheiten der Natur ertragen können.

Der fünfte Tag erfordert die letzte Wanderung sowie die Heimfahrt. Es ist sehr warm und sehr schwül. Die Schwüle nimmt zu je weiter wir bergab durch Weinberge der Rheinebene zu wandern. Der Weg scheint unendlich lang zu sein, wir wollen nach Hause, aber wir müssen nach all den erlebten Schönheiten noch die Schwüle des Tages ertragen. Endlich, in Weil-Ost steigen wir in einen D-Zug und fahren nach Freiburg. Dort gibt es eine Erfrischungspause zum Eisessen und dann geht die Fahrt weiter nach Höllental-Feldberg, wo unser Auto nicht weit entfernt steht.