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La Fouly im Val Ferret
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Wandern im Dreiländereck: Schweiz-Italien-Frankreich
Wir sind keine Bergsteiger im Sinne von Kletterpartien, aber wir liebten es, Berge von 2500 bis 3000 m Höhe auf schmalen Wanderwegen zu besteigen und dann das große Gefühl der Bergwelt zu genießen. Eine diese Wanderungen möchte ich hier beschreiben, nordöstlich des Mont Blanc Gebietes.
Es war in den Jahren um 1980. Wir fuhren in die Schweiz, ins Rhonetal und dann westlich bis nach Martigny. Von dort südwärts dann östlich über Bovernier, Sembrancher und Orsieres, weiter südwärts über Issert, Praz le Fort und hinunter ins Val Ferret bis zum 1600 m hoch gelegenen kleinen Ort La Fouly. Es gab dort einen Zeltplatz und neben einigen Häusern auch ein Gasthaus. Da unsere drei Söhne uns damals viel Geld kosteten und mein Einkommen wie auch das vieler anderer Familien beschränkt war, hatten wir uns vorgenommen zu zelten.
Der Zeltplatz war wunderschön, die Zelte zwischen großen Endmoränen an einem kleinen Gebirgsbach, so dass die Camper einander nie zu nahe kommen konnten. Aber es waren auch gar nicht sehr viele Leute dort. La Fouly war recht abgelegen. Eine Versorgungseinrichtung mit Toiletten und Wasserhähnen gab es. Man musste daher seine Bedürfnisse nicht im Grünen ablegen. Dieser schöne Ort war uns von einem befreundeten Ehepaar empfohlen worden. Sie schwärmten auch besonders von einer Hochgebirgswanderung über die mit Eis und Schnee bedeckten Höhen hinauf auf eine Hütte Cab de l'A Neuve Cas in 2735 m. Ja, es war im August, in der Ferienzeit und auch da gab es Nachtfröste und es lag in den Höhen ab etwa 2300 m Dauerschnee.
Wiederholt versuchten meine Frau und ich den Aufstieg zur Hütte, zunächst entlang einem kleinen plätschernden Gebirgsbach. Dann aber musste ein sehr schmaler Steg ohne Geländer, etwa 15 m lang, überwunden werden. Daran scheiterte meine Frau wiederholt, denn auf beiden Seiten des Steges ging es beängstigend weit hinunter. Erst beim dritten Anlauf, wir begannen diesen morgens in aller Frühe, schaffte auch sie es, den Steg zu überwinden, so dass wir in Richtung Hütte hoch zu wandern begannen.
Wir stapften durch die Schneefelder bergauf in der aufkommenden Morgensonne und waren guter Dinge, da der Tag viel versprechend aussah. Einige Stunden vergingen so, bis wir schließlich in der Höhe von 2735 m die Hütte fast - aber nur fast - zum Greifen nahe vor uns sahen. Denn vor unseren Augen tat sich eine senkrechte Schneewand von etwa 15 m Höhe auf. Zum Glück gab es eine herunter hängende Strickleiter, die wir hinauf steigen konnten. Aber oben, oh weh - nochmals senkrecht hoch, vielleicht 3 m - eine Schneemauer, die auf einem höchstens 40 cm breiten Randpfad umgangen werden musste; links diese Schneewand, rechts auf der Strickleiterseite der steile Abfall hinunter. Ich schaffte die Umgehung der oberen Schneemauer, meine Frau aber nicht trotz meiner Angebote, sie an der Hand zu führen. Nein, sie schaffte das eher unmöglich Aussehende, sie bestieg die etwa 3m hohe senkrechte Wand harten Schnees und kam oben drüber zur Hütte, was niemand vor ihr probiert hatte. Es war also geschafft und auch wir waren geschafft. Wir erholten uns etwa eine Stunde lang bei Tee und Vesperbrot und begannen dann die mühsam erklommene Hütte wieder lebend zu verlassen. Erst gegen Abend kamen wir unten in La Fouly bei unserem Zelt an, todmüde und erschossen, wie man dies umgangssprachlich auszudrücken pflegt.
Nach dem Urlaub wieder daheim, besuchten wir die oben genannten Freunde und berichteten voller Stolz, dass wir beide die Besteigung der Hütte nun auch geschafft hätten. Aber zu unserer großen Überraschung erfuhren wir: Nur unser Freund hatte diese Tour gemacht, seine Frau lag derweil genüsslich neben ihrem Zelt in der Sonne!