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Spanienrundfahrt Teil II

Über Tarragona bis Malaga

Die nächste Stadt war Tarragona mit 40 400 Einwohnern, auch eine Provinzhauptstadt, Hafen- und Handelsstadt mit wiederum mildem Klima. Es folgten Tortosa mit 48 000 Einwohnern, einer Bistumsstadt mit Bischofssitz am linken Ufer des Ebro und ein Handelszentrum für Olivenöl, Wein und Reis. Sehenswert war die Kathedrale mit dem Glockenturm "La Almudena". Wunderschön war es, der Küstenstraße entlang nach Süden weiter zu fahren. Es gab kaum Verkehr, die Straßen machten jede Höhe und Tiefe des Geländes mit. In den Tiefen floss des Öfteren 10 bis 15 cm hohes Wasser aus dem Land quer über die Straße zum Meer hin. Wenn man hindurch fuhr, gab es stets einen Knall beim Eindringen des Wagens in das Wasser. Da es so wenig Straßenverkehr gab, konnten wir zum Mittagessen immer eine Flasche Rotwein genießen, der nicht nur preiswert war, sondern mich für die nachfolgende Fahrt in Hochstimmung versetzte. Folge: Ich begann beim Fahren laut zu singen, obgleich meine Frau behauptete, ich sänge falsch. (Aber darum kümmern sich angeblich selbst heute irische Männer in Irrland auch nicht.) Die vielen Hotels und Hochhäuser, die im 21. Jahrhundert, entlang der Küstenstraße von Spanien stehen, gab es damals noch nicht.

In der Großstadt Valencia flanierten wir auf der Promenade mit Blick auf den Hafen und das Meer. Wir genossen dort, leider auch erst spät abends, die Paella Valenciana. Aber Paella aßen wir gelegentlich auch am Strand, etwas einfacher und mit viel Fisch und Reis. Valencia hatte 535 000 Einwohner, war auch Provinzhauptstadt mit Universität und Bischofssitz. Der sehenswerte Glockenturm "Miguelete" stammt aus dem 14. Jahrhundert. Zitadelle, Seidenbörse, Botanischer Garten, Gemäldegalerie und mehrere schöne Kirchen waren sehenswert. Wir buchten in den größeren Städten immer eine Stadtführung, um in der Kürze der Zeit möglichst viel über diese Städte zu erfahren. Auch fuhren wir einigemal an Orangenplantagen vorbei und durften die saftigen Früchte frisch vom Strauch kosten und genießen.

Alicante, 123 000 Einwohner, moderne Provinzhauptstadt mit einer nach Norden hin winkligen Altstadt an hohen Burgfelsen und einer wunderschönen Promenade. Sie füllte sich erst gegen Abend mit Menschen, dann wenn die Temperaturen erträglich und die Schatten der Häuser und Bäume länger wurden. Alicante war schon damals eine bedeutende Hafenstadt. Der Hafen war durch Molen geschützt. Zu unserer Freude konnten wir etliche Großsegler bewundern. Ausgeführt wurden Wein, Südfrüchte, Frühgemüse, Öl, Erz, Ziegel und Fisch. Bekannt war die dortige Fischfangflotte.

Weiter ging's über Elche nach Murcia im Tal des Segura, damals mit 238 000 Einwohnern, Provinzhauptstadt mit Bistumssitz und Universität. Sehenswert waren Uferanlagen, das Zigeunerviertel und das Provinzialmuseum. Ferner gab es eine Kathedrale und eine Stierkampfarena. Wir sahen riesige kahle Flächen voll gelegt mit rotem Paprika zum Trocknen.

Es war mir klar, dass man auf spanischen Straßen auch außerhalb der Städte und Ortschaften bei jeder einmündenden Seitenstraße und jedem Seitenweg hupen musste, um die Fuhrwerke zu informieren. Zu diesem Zweck hatte ich extra ein Starktonhorn in meinen VW einbauen lassen. Aber irgendwann war meiner Frau das ständige laute Hupen zu aufdringlich und sie bat mich, es doch außerhalb von Ortschaften bitte zu unterlassen. Ich tat so. Aber es dauerte keine 10 Minuten, wir waren wieder an einer Einmündung vorbei gefahren, da hielt mich die spanische Polizei an und ermahnte mich, an Kreuzungen und Einmündungen auch von Wegen immer zu hupen! - Südspanien war damals eine sehr arme Gegend, dies zeigte sich auch darin, dass viele Frauen im Restwasser von fast ausgetrockneten Flussläufen ihre Wäsche wuschen.

Almeria, 110 000 Einwohner, auch Provinzhauptstadt mit Bischofspalast. Anzusehen die Kathedrale und der Bischofspalast, die Kirche Santiago von 1553, die Kirche San Pedro aus dem 15. Jahrhundert, das Provinzialmuseum, das alte Maurische Fort "Alcazaba". Aber Almeria war auch sehenswert infolge seiner leider noch vorhandenen Höhlenwohnungen. In senkrecht nach oben steigenden Felsen waren, nicht weit von der Uferstraße entfernt, türgroße Öffnungen in den Felsen geschlagen und dahinter Felswohnungen. Das Äußere, um den Türausschnitt herum, war weiß gekalkt. In den etwas höheren Ortsteilen waren teilweise kleine Vorbauten vor den Höhlenwohnungen zu sehen. Es war eine Gegend der Felsen und der kahlen Erde, ein Grashalm war kaum zu sehen.

In Motril, 22 000 Einwohner, Stadt des ewigen Frühlings, alles war plötzlich grün, hätten wir ins Landesinnere nach Granada abzweigen können, unterließen dies aber, da unsere Fahrt ganz in den Süden führen und möglichst auch zu einem Abstecher nach Marokko führen sollte. Die großartige Stadt Granada hätte uns zu lange aufgehalten. - Beim Anhalten war unser VW-Käfer damals immer wieder von zahlreichen Kindern umringt, diese bettelten. Und mehrmals, wenn wir morgens zu unserem PKW kamen oder nach einer Besichtigung, standen einige Männer am Auto und verdeutlichten uns, die rechte Hand vorstreckend, dass sie auf das Auto aufgepasst hätten. Sie waren für alles sehr dankbar. Häufig sah man einen Bauern mit einem Esel, dessen Rücken mit Stroh oder Heu oder Viehfutter vollgeladen daher kam. Um diese Städte im Süden herum wurden, soweit die Bewässerung durch die Flüsse möglich war, vielfältig Olivenhaine, Zuckerrohrplantagen, Blumenfelder aber auch Frühgemüse angepflanzt.

Unsere Straße führte uns weiter nach dem bedeutenden Malaga, damals 300 000 Einwohner, auch Hauptstadt der gleichnamigen Provinz mit einem der ältesten und wichtigsten Häfen nicht nur Spaniens, sondern des Mittelmeeres. Selbstverständlich auch wieder mit Bischofssitz, Kathedrale, begonnen Anfang des 16. Jahrhunderts, Universität, Weinkulturen, milde Winter, daher bekannter Winterkurort. Wirtschaft: Verschiffung von Apfelsinen, Zuckerrohr, Bananen, Olivenöl, Baumwolle, Malagawein aus dem mit kräftigen Molen versehenen Doppelhafen. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse wurden in den Küstenniederungen und im Mündungsgebiet des Guadalhorce angebaut. Dafür mussten Holz, Kohle und Erdöl eingeführt werden. Geschichte: Schon im Altertum war Malaga eine bedeutende Stadt: Das alte "Malaca" von Phöniziern für gesalzenen Fisch gegründet, wurde 571 von den Westgoten, 711 von den Arabern und 1487 von den katholischen Königen erobert und zum Bischofssitz gemacht. - Wir sahen dort einen der für Spanier interessanten Stierkämpfe, hatten aber beim Zusehen eher Bauchschmerzen. Außerdem sahen wir eine der kirchlichen Prozessionen vor Ostern durch die Stadt. Dabei hatten die Würdenträger Kostüme an aus langen Gewändern, mit verhülltem Gesicht außer Augenschlitzen und Mund, mit hohen Spitzhüten auf dem Kopf; das Ganze aus roten oder weiß-blauen Roben. Sie sollten auf diese Weise Buße tun. Etwa in der Mitte der Prozession wurde auf einer Trage eine große Heiligenfigur mitgeführt.







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